Die Aufbereitungsanlage "Pochwerk Siebenschlehn"

Fundgrube Gesellschaft 

Am Standort des heutigen Pochwerks der Fundgrube "Siebenschlehn" befanden sich bereits um 1500 Aufbereitungsanlagen. Seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts besaß die Fundgrube Siebenschlehn ein eigenes Pochwerk an dieser Stelle. Da es nach langer Nutzung baufällig geworden war, wurde 1752 bis 1753 mit einem Aufwand von 800 Talern ein neues, größeres Pochwerk errichtet. Im Pochwerk wurde auch Roherz aus benachbarten Bergwerken aufbereitet, u.a. von Adam Heber und von der Gesellschaft Fundgrube. Diese "Pochgäste" besaßen eigene "Kobaltkammern" zur Aufbewahrung des Erzes im Gelände des Pochwerkes.
Von Anfang an waren Trocken- und Naßpochgänge vorhanden. Zuerst arbeitete man mit einem Glauchherd, der nach 1781 durch den ersten Langstoßherd abgelöst wurde. Im 19.Jahrhundert wurden die Gehalte des Roherzes an Kobalterz immer geringer. Deshalb wurde die Anlage mehrfach modernisiert, umgebaut und erweitert. Zusätzlich führte man jetzt sogenannte "Einkehrherde", "Querstoßherde" und Setzmaschinen ein. Ein Pochwerks-Steiger überwachte die Produktion. Seine Wohnung befand sich ursprünglich unmittelbar über dem Pochwerk im Dachgeschoß des Gebäudes. Um 1830 erhielt er ein eigenes Huthaus als Wohnung. Das Steigerwohnhaus dient heute wieder Wohnzwecken.
Seit 1852 setzten zwei große Wasserräder von  6 m Durchmesser die Technik in Bewegung. Bis dahin hatte ein Rad mit   4 m Durchmesser ausgereicht. Das Antriebswasser wurde dem Lindenauer Bach entnommen. Dazu wurde ein etwa 600 m langer Kunstgraben angelegt, der ursprünglich auch das Pochwerk der Gesellschafter Fundgrube mit Aufschlagwasser versorgte. Um die Wassermenge auch in trockenen Sommern besser regulieren zu können, erbaute man 1838 zusätzlich den Unteren Lindenauer Teich.
Das Pochwerk wurde 1929 stillgelegt. Aufgrund der Isolation Deutschlands und ausbleibender Rohstoffimporte während des zweiten Weltkrieges begann die neugegründete Sachsenerz AG Anfang der 40´er Jahre, eine Reihe erzgebirgischer Reviere wieder in Betrieb zu setzen. In dieser Zeit wurde am Helenenschacht Wolframerz gefördert. Für dessen Aufbereitung wurde 1942 das Pochwerk Siebenschlehn umgebaut und wieder in Betrieb genommen.
Nach dem Weltkrieg wurden in dem geräumigen Gebäude zunächst Flüchtlingsfamilien untergebracht. Zwischen 1946 und 1955 nutzte dann die damalige SAG Wismut den Gebäudekomplex als Lager. 1949 wurde er kurzzeitig auch als Ferienheim genutzt. Später diente das Objekt wechselnden Zwecken. Seit 1990 wird intensiv an der Erhaltung der vernachlässigten Bausubstanz und an der Einrichtung als Technisches Museum gearbeitet.
 

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Die Fundgrube "Gesellschaft"
Im Bereich der späteren "Fundgrube" Gesellschaft arbeiteten bereits um 1500 mehrere kleinere Silbererzgruben. Der früheste Hinweis auf den Abbau von Kobalterz betrifft im Jahr 1540 diese Gruben. Unter dem Namen "Gesellschaft Fundgrube" wurden im Jahr 1602 mehrere Gruben konsolidiert und gemeinsam wieder aufgenommen. Jetzt stand die Kobalterzgewinnung im Vordergrund. Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts war sie eine der größten und bedeutendsten des gesamten Schneeberger Reviers. 

Wenige Schritte oberhalb des Pochwerks Siebenschlehn ist die große Abraumhalde am westlichen Hang des Lindenauer Tales sichtbar. Im Grubengelände befinden sich noch das Huthaus, die Bergschmiede, der Pulverturm und andere Gebäude. 

Im 19.Jahrhundert wurde für den Hauptschacht anstelle des alten Pferde-Göpels eine neue Förderanlage gebaut, die mit Hilfe einer Wasserturbine angetrieben wurde. Dazu wurde 1854 bis 1856 ein separater, 26 Meter tiefer Schacht und eine Abzugsrösche angelegt. Am Fuß des Schachtes befand sich die Turbinenkammer, in der eine der vom Schneeberger Bergingenieur Schwamkrug entwickelten und nach ihm benannten Turbinen eingebaut wurde. Es handelt sich dabei um eine von innen beaufschlagte Freistrahl-Turbine für große Fallhöhen bei vergleichsweise geringer Antriebswassermenge. Dieser Turbinentyp verbreitete sich in dieser Zeit schnell im Erzgebirge und löste an vielen Stellen Wasserräder oder Wassersäulenmaschinen ab.  Als Aufschlagwasser wurde Wasser aus dem rund fünf Kilometer entfernten Filzteich genutzt, das auf dem Weg dorthin bereits auf mehreren Bergwerken Wasserräder und Kunstgezeuge angetrieben hat und auf immer tieferen Stollen bis hin zur Gesellschaft Fundgrube weitergeleitet wurde.

Um die Stabilität des Schachtes auch bei den permanenten Vibrationen durch die Antriebsanlage zu sichern, wurde er sehr massiv ausgemauert. Die 1855 aufgeführte Mauerung ist in der Turbinenkammer 2,5 Meter stark. Die Antriebsenergie wurde von der Turbine am unteren Ende des Schachtes über eine durchgehende, stehende Welle bis nach oben übertragen. Dort wurde die Fördermaschine des cirka 360 Meter tiefen Hauptschachtes der Gesellschafter Fundgrube angetrieben.

Über die Abzugsrösche wurde das Aufschlagwasser "nach getaner Arbeit" wieder ins Freie und zurück in den unteren Lindenauer Teich geleitet, von wo aus es weiter talabwärts noch mehreren Pochwerken als Antriebswasser diente. Diese Rösche ist  214 Meter lang und völlig gerade im Gegenortbetrieb vom Schacht und vom Mundloch her aufgefahren. Während noch in dieser Zeit ein Großteil der Bergleute mit Schlägel und Eisen arbeitete und sich mühsam entlang von Klüften und Schwächezonen im Gestein vorarbeitete, wurde hier bereits Bohr- und Schießarbeit angewandt. 

Zusätzlich befand sich neben dem Turbinenschacht noch eine Erzrolle - gewissermaßen eine "Silo-Anlage". Mußte bis 1856 das geförderte Erz mit Pferdefuhrwerken ins Pochwerk transportiert werden, so konnte man es nun einfach neben dem Förderschacht in die Rolle verkippen. Über die Abzugsrösche des Turbinenschachtes konnte man es dann in Hunte abziehen und auf ebener Strecke ins Pochwerk transportieren. 

Die Anlage wurde zuletzt 1950 von der damaligen SDAG Wismut genutzt. 1984 bis 1986 wurde sie wieder restauriert, bergmännisch gesichert und als kleines Schaubergwerk eröffnet. 1995 wurde auch der Schachtausbau komplett erneuert. Seitdem ist die Turbinenrösche nun Teil der Bergbau-Schauanlage "Pochwerk Siebenschlehn". Von dort aus können Sie sich zu Befahrungen im Rahmen der Führungen anmelden. 
 

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