Geschichte des Markus-Semmler-Stollns
Der Markus-Semmler-Stolln ist nicht der einzige, aber der tiefste Entwässerungsstolln des Reviers. Ein weiteres, ausgedehntes Stollnsystem ist der Fürstenstolln, der etwa 39 m höher in Oberschlema ansetzte. 

Der Markus-Semmler-Stolln wurde dagegen im Jahre 1503 rund 3 km nordöstlich in Niederschlema auf dem Höhenniveau der Zwickauer Mulde (cirka 332 m NN) angeschlagen. 

1841 wurde  am Mundloch eine Stollnrösche angelegt und der Auslauf vom Schlemabach zur Zwickauer Mulde hin verlegt. Das aus den Schneeberger Bergwerken abgeleitete Wasser fließt heute direkt unter dem Bahnhof Niederschlema in die Zwickauer Mulde. 

Das Mundloch des Markus-Semmler-Stollns bildete auch den Höhenbezugspunkt für die markscheiderische Vermessung der Grubenbaue in der Zeit des Uranbergbaus. Alle Sohlenbezeichnungen aus dieser Zeit ab 1946 beziehen sich auf diese Höhe. 

Seinen Namen erhielt er nach dem aus Nürnberg stammenden und in Leipzig ansässigen Kaufmann Markus Semmler, der als Gewerke umfangreiche Anteile an den Schlemaer Silber- und Kupfergruben besaß. Für den Namen findet man unterschiedliche Schreibweisen: Neben "Markus" liest man auch "Marcs" (am Schlußstein im Foto links), oder "Marx" Semmler Stolln (im Sonderheft zum 500jährigen Jubiläum des Baubeginns, Hrsgr. Wismut GmbH, 1996). 

Um den Vortrieb zu beschleunigen, wurde der Stolln gleichzeitig vom Mundloch her und von insgesamt 16 Lichtlöchern ausgehend im Gegenortbetrieb aufgefahren. Dadurch konnten entschieden mehr Bergleute gleichzeitig an der Fertigstellung des wichtigen Wasserbauwerkes arbeiten. Diese "Lichtlöcher" sind kleine Schächte, die außerdem der Bewetterung des Stollns dienen. 

Der Bau der insgesamt etwa 3,5 Kilometer langen Strecke des "Unteren Reviers" bis nach Oberschlema erforderte so "nur" sieben Jahre (Durchschlag 1510). 

Am Lichtloch 15 befand sich von 1929 bis 1945 ein "Ausschank", an dem die Kurgäste des "Radiumbades Oberschlema" Radon enthaltendes Wasser für Trinkkuren erhielten. Es entstammte einer starken, unterirdischen Quelle am sogenannten "Radiumort", einem nördlichen Seitenflügel des Stollns. Hier liegt der Stolln heute 49,3 m unter Gelände. Das kleine Schutzhaus über dem Lichtloch wurde 1994 wieder in seiner ursprünglichen Gestalt errichtet. 

Seit einigen Jahren ist auch das ehemalige Kurbad in neuer Gestalt wiedererstanden. Das weiße Sonnensegel im Zentrum des Kurparks wurde zum neuen Wahrzeichen Schlemas und weist inzwischen schon an der BAB 72 auf den Kurort hin. Vor allem bei rheumatischen Erkrankungen sollen die Badekuren  Linderung bringen. 
 

Schacht 15IIb während der Sanierung 1995 Der Schacht 15 II b war einer der ersten, den die damalige SAG Wismut bereits 1946 wieder in Betrieb nahm. Nur noch als rostiger Zweckbau war das kleine Fördergerüst erhalten und wäre beinahe dem Abriß zum Opfer gefallen. 

 

Inzwischen ist er in seiner ursprünglichen Gestalt mit der Holzverkleidung wieder erstanden. An dieser Stelle können heute die Besucher des Bergwerkes im Förderkorb etwa 40 m bis auf den Marx-Semmler-Stolln hinab einfahren. 

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Huthaus des M.-Semmler-Stollns 1995 Wenige Schritte weiter am Zechenplatz steht ein unscheinbares, altes Fachwerkhaus. Es ist das Huthaus der Stollngewerkschaft des "Unteren Reviers". 

Es wurde 1995 denkmalgerecht restauriert und wird heute als Traditionsgaststätte "Huthaus" bewirtschaftet. 

Roter Felsenstolln unter dem Roten Kamm Hier an dieser Stelle findet sich auch der Ausbiß des "Roten Kamms" - einer gewaltigen, von Nordwest nach Südost streichenden tektonischen Verwerfung. Topographisch wird sie hier durch einen schwarzrot aus dem Talhang hervorragenden Härtling markiert - ein Quarz-Eisensteingang. 

Unterhalb liegt das Mundloch eines alten Stollns, des "Roten Felsenstollns". Der Schlußstein der Überwölbung des Mundlochs trägt die Jahreszahl 1451. 

Von hier aus verzweigt sich der Stolln immer mehr. Am Schacht Weißer Hirsch liegt er bereits über 80 Meter tief, am Wolfgangsmaßener Schacht werden 175 Meter und in Siebenschlehn  202 Meter Tiefe ereicht. 1943 wird die Gesamtlänge des Stollns mit den Querschlägen zwischen den Schächten im "Oberen Revier" mit 43,9 Kilometern (!) angegeben. 

Alle darüber liegenden Grubenbaue mußten nach der Fertigstellung des Stollns nun nicht mehr technisch aufwendig entwässert werden, sondern liefen auf natürlichem Wege trocken. Zudem ermöglichte der Stolln den Einbau von Wasserkünsten, mit denen auch die tiefer liegenden Grubenbaue entwässert werden konnten. Der Stolln ist eines der bedeutendsten technischen Denkmale des Schneeberger Bergbaus und Zeugnis der mittelalterlichen Ingenieurkunst. 

 

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